Rückblick
Pilotprojekt: August 06 bis Februar 07/ Kunstwerkstatt Amaro Kher in Kooperation mit der
Jugendkunstschule Köln.
Über den Zeitraum von 6 Monaten arbeiteten 2 Dozentinnen der Jugendkunstschule Köln /
Atelier artig kunstpädagogisch mit 2 Kleingruppen von jeweils 4 Kindern in den
Räumlichkeiten von Amaro Kher.
In der Arbeit mit den Roma- Flüchtlingskindern Kindern wurde schnell deutlich, welches
Ausmaß an unterdrückten Gefühlen wie Wut, Trauer, Angst, Scham die Kinder in ihrem Handeln
bestimmt. Im täglichen Überlebensdruck, dem sie im Flüchtlingsheimen auf engsten Raum unter
schwierigsten Bedingungen ausgesetzt sind, ist die Auseinandersetzung mit dem eigenen
Erleben, wie ihre eigene kindgerechte Entwicklung nahezu unmöglich. Unterdrückte Emotionen
richten sich schnell gegen andere oder sich selbst.
Mit dem Ziel, den Kindern Raum für sich, ihre Entwicklung, ihre Ressourcen, Emotionen und
Talente zu geben, wurde die Kunstwerkstatt der Jugendkunstschule in den Schulräumen von
Amaro Kher im August 2006 eröffnet. Seitdem haben acht Kinder im Alter von vier bis acht
Jahren regelmäßig die Kunstwerkstatt einmal wöchentlich besuchen können. Erste Erfahrungen
im Umgang mit einzelnen Materialien konnten hier gemacht werde und präsentieren sich in
einer kleinen facettenreichen Ausstellung in den Räumlichkeiten von Amaro Kher.
Ausblick
Die Ergebnissicherung nach Projektdurchlauf zeigte neben positiven Entwicklungsverläufen
ein hohes Potential sowie einen deutlichen Bedarf der einzelnen Kinder. Sie alle zeigten
viel Interesse und Begeisterung für die verschiedenen Materialien, mit deren Eigenschaften
und Umgangsweisen sie unter Anleitung neugierig experimentierten. Bisher gewonnene
Erfahrungen der Dozenten der Jugendkunstschule lieferten Anregungen, die Rahmenbedingungen
im Sinne einer qualitativen Förderung und Integration der Kinder zu modifizieren.
Idee
Um den Kindern die Möglichkeit zu geben, innerhalb eines Schutzraumes mit klar vorgegebenen
Strukturen neue Erfahrungen zu sammeln, erscheint es sinnvoll, die Kunstwerkstatt aus den
Räumen der Amaro Kher Schule in ein kindgerechtes Atelier auszugliedern. Hier können die
Kinder Woche für Woche großflächig an der Wand, an der Staffelei, auf dem Boden oder am
Tisch arbeiten. Für Roma Kinder ist ein klarstrukturiertes Angebot mit der Möglichkeit nach
Orientierung besonders wichtig, um ihrem inneren Chaos Halt geben zu können. Klare Grenzen
und das Gefühl der selbstbestimmten Orientierung bewahren die Kinder vor einer Wiederholung
der exzessiven Ereignisse im alltäglichem (Familien) -Leben. Für die Arbeit im Atelier
bedeutet das, Farben, Pinsel, Stifte, Kleister, Spachtel, Papier etc. immer am gleichen
Platz für sie bereit zu halten. So lernen sie langsam das Atelier, die Materialien mit dem
gesamten künstlerischen Angebot für sich kennen und selbstständig zu nutzen. Mit
Unterstützung der Atelierleiter lernen sie ihr künstlerisches Arbeiten zu entwickeln und
erleben das Atelier als einen ihnen vertrauten Raum. Die besondere Arbeitsatmosphäre im
Atelier wirkt positiv auf die Kinder, sie fühlen sich in ihrem eigenen künstlerischem
Schaffen ernst genommen.
Das wöchentliche Arbeiten im Atelier verleiht den teilnehmenden Kindern Kontinuität und
Verlässlichkeit; sie können Vorfreude entwickeln und haben die Möglichkeit, viele neue
Erfahrungen zu machen, sich selbst kennen zu lernen und neue Handlungen zu erproben.
In den über Wochen entstehenden Bildern sind einzelne Prozessverläufe sichtbar, die viel
über die Wünsche und das Befinden der einzelnen KünstlerInnen aussagen. Im nonverbalen
Prozess des Malen und Werkens verleihen sie ihren inneren Welten, Sehnsüchten und
Erlebniszustände Ausdruck. Ihre individuelle Lebenssituation mit ihrem spezifisch
kulturellen Hintergrund spiegelt sich in den einzelnen Kunstwerken wieder.
Dabei ermöglicht das Malen und bildnerische Gestalten den Kindern sich aktiv mit sich
selbst und der alltäglichen Lebenssituation auseinander zu setzen. Im Malprozess werden
ihnen die Gesetze und Grenzen der unterschiedlichen Materialien wie Papier, Farbe,
Leinwand, Kreide etc. vermittelt. Sie lernen durch das Malen ihren Fähigkeiten zu
vertrauen, was sich sehr positiv auf ihr Selbstwertgefühl auswirkt.
Immer wieder beeindruckt uns die Impulsivität der Kinder und deren Bedürfnis nach
Anerkennung. Es fordert viel Offenheit, Geduld und Klarheit, den Kindern in ihrer aktiven
Auseinandersetzung mit Kampf, Macht und Widerstand gerecht zu werden.
Künstlerisches Schaffen ist eine universelle Kommunikationsmöglichkeit, die weit über die
verbale Form der Verständigung hinausgeht. Sich selbst ausdrücken zu können, dem anderen
etwas mitzuteilen, um mit der Welt in einen Dialog zu treten, sind Antrieb für jegliches
künstlerisches Tun. Einerseits ermöglicht dies, Verständigungsschwierigkeiten aufgrund
fehlender Wörter überbrücken zu können, andererseits über die Kunst/ das künstlerische
Schaffen auch Sprache zu vermitteln, den Wortschatz zu erweitern und einen Einblick zu
geben, in die kulturellen Gegebenheiten hier vor Ort.
Sehr wertvoll erscheint uns, ihr Schaffen ganzheitlich unter einer interkulturellen
Perspektive zu betrachten. In ihrem spezifischen, einzigartigen kulturellen Hintergrund
liegt ein großer Schatz verborgen, der sich lohnt, genauer betrachtet zu werden. Im
Vergleich zu deutschen Kindern zeigen sich Unterschiede in ihrer Farb- und Formwahl,
ihren Bildthemen sowie im Umgang mit den einzelnen Materialien. Um innerhalb
kunstpädagogischen Arbeitens diesen Kindern gerecht zu werden, sehen wir die
Notwendigkeit, diese Kinder unter Berücksichtigung ihres kulturellen Hintergrundes zu
fördern, um sie in hiesige Institutionen und Lebensweisen zu integrieren. Dafür müssen
auch wir uns im Sinne der Globalisierung ihren kulturellen Werten und Hintergründen in
ihrem Aufwachsen öffnen, von ihnen lernen, um sie zu verstehen und in bestehende
Sozialstrukturen, Bildungsinstitutionen, etc. integrieren zu können.
Langfristiges Ziel ist es, die Kinder in vorhandene Institutionen und
Bildungseinrichtungen zu integrieren und einen Kontakt- und Beziehungsaufbau zu anderen
in Köln lebenden Gleichaltrigen zu ermöglichen. Das Atelier artig bietet hier erste
Kontaktmöglichkeiten und einen Erfahrungsraum, der gezielt darauf hinarbeitet.
Eine wissenschaftliche Begleitung/ Dokumentation des geplanten Projektes mit einer
abschließenden Evaluierung soll dem gerecht werden. Eine Ausstellung der Bilder und Werke
ergänzt dies und macht erzielte Ergebnisse für eine breitere Öffentlichkeit transparent.
Die Kinder erfahren damit eine Wertschätzung, die Gesellschaft neue Zugangswege auf die
Roma- Flüchtlingskinder.
Umsetzung
Kunstwerkstatt
| Beginn: | Mitte Februar 2007 |
| Projektdauer: | 6 Monate 1 Mal wöchentlich/ 60 Minuten
Kleingruppenarbeit 6 Monate/ Folgeprojekte sind in Planung |
| Teilnehmer: | 6 Kinder |
| Durchführung/ - leitung: | 2 DozentInnen der Jugendkunstschule/ Atelier
artig, 1 Studentin zur Dokumentation und Beobachtung |
| Kooperationspartner: | Jugendkunstschule Köln e.V
(www.jugendkunstschule-koeln.de,
www.amaro-kher.de) |
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